Hofwiesengasse! Das ist eine Doppelhaltestelle, an der sich zwei Linien begegnen, zwecks Umsteigemöglichkeit für den Fahrgast. Möchte man meinen.Doch da hat der Fahrgast die Rechnung ohne den Wirt gemacht und das ist der Bimpilot.Der sitzt an der Spitze der Garnitur, entweder hinter einem schweren Ledertrenner auf einer Art Zahnarztsessel (alt) oder in einem hermetisch abgeriegelten modernen Cockpit (ULF). Eventuell gibt es ja geheime Wiener-Richt-Linien, nach denen ein direktes Umsteigen zu verhindern ist. Es könnte eine Panik ausbrechen, wenn die Fahrgäste vor sich die Bahn sehen, in die sie wechseln wollen und dies alle gleichzeitig, Rentner zuerst, Kinder am Boden und Schwangere mittendrin. Um das zu verhindern, wird bewusst auf diesen direkten Anschluss verzichtet, ein edles Motiv sozusagen. Die sollen gemütlich warten, bis der nächste Wagen reinbimmelt. Dauert ja nur 7 Minuten, wenn man nicht gerade das Pech hat, dass ein Intervall sich aus unerfindlichen Gründen unglaublich ausdehnt (siehe: "blabla-krächz").
Die Piloten verfügen über ausgeklügelte Methoden, dem Anschluss zu entgehen (Das hätte das Land 1938 gut brauchen können):
Er fährt hinter dem Zug her, den wir erreichen wollen. Der hält gerade, die ersten steigen aus. Während wir mit hervortretenden Augen panisch versuchen, den vorderen Zug telekinetisch einzubremsen, wird unsere Bim immer langsamer. Mittlerweile steigen die Letzten aus. Als würden sich 2 Magnete mit gleicher Polung abstossen, entfernen wir uns relativ immer weiter vom ersehnten Anschluss und das solange bis wir mit herabfallendem Unterkiefer fassungslos den vorderen Zug wieder abfahren sehen.
Oder: Die Verfolgerbim schliesst ausnahmsweise flott auf und Hoffnung keimt auf. Vorne tröpfeln ein paar Leutchen raus, das geht leider verdammt flott. Wir halten, Tür auf und raus gegen den Strom der paar Leutchen mit ausgestrecktem Zeigefinger auf den Knopf los, der noch grün leuchtet, aber den Bruchteil einer Sekunde vor der Berührung erlischt. Rumms ist sie weg.
Ich gehe davon aus, dass die Fahrer im Rückspiegel hervorragende Sicht nach hinten haben auf die gierige Anschlussmeute. Dass sie dennoch losfahren, muss also einen Grund haben, der von einem sportlichen Wettkampfgeist (hä, ich war schneller) bis zu einem bedenklichen abgrundtief boshaften Wesen reichen kann.
Gegen diese Wesen und Geister haben kämpferisch gesinnte Linien-Nutzer Methoden entwickelt. So kann der Aussteigende solange die Tür blockieren, bis der heranschleichende Anschlussvermeider endlich seine Leute rauslässt. Mit verschwörerischem Blick wird gedankt, während der Bimpilot einen Giftstrahl absetzt.
So fördert der öffentliche Nahverkehr die Entwicklung konspirativer Solidarität.
Aber Achtung vor Schlägertrupps der Wiener Linien, die solche Dissidenten plattmachen.

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