Mittwoch, 19. November 2008

Der Duft der Bims


Ich liebe den Duft der alten Wagen, die mit den gerippten Holzböden und den lackierten weissen Decken. Und immer wieder Holz: Um die Fenster, um die kleinen runden Wandleuchten. Nur die Sitze dürften irgendwann erneuert worden sein, und die Türen mit den Haltknöpfen.

Es riecht nach gut geöltem oder geteertem Holz und man fühlt sich in der Zeit zurückversetzt, denkt an das Design der ersten Maschinen in Jules -Verne-Verfilmungen und lauscht den Rollgeräuschen der eisernen Räder auf den Schienen und nach dem schweren Ächzen, wenn diese edle Rappelkiste von einem(r) flotten Fahrer(in) durch eine Kurve gejagt wird. Auch das Anfahren ist ein Erlebnis, fehlt ihm doch noch jegliche Fuzzy-Logic. Es wirkt, als würde der erste Schub durch einen schweren Hammer erfolgen. Das Bremsen klingt nach dem Geschrei von Opfern der Apokalypse und wird begleitet von einem üblen Krachen tief aus dem Fahrgestell, als seien mehrere Metallteile geborsten.
Beim Anlehnen gegen das Fenster erkunde ich zuerst die Sedimentschichten, die sich auf dem alten Holz abgelagert haben. Sollten darunter auch prähistorische Kaugummis sein, lässt sich dies kaum noch erkennen, weil alles eine dunkelbraunschwarze Farbe annimmt, als würde die Oberfläche regelmässig geteert. Im Anhänger befinden sich vorne 2 Einzelsitze und man kann vor sich die Leute im hinteren Teil des Triebwagens beobachten. Da rutschen manchmal Knirpse rum, knutschen Pubertierende oder dümpeln Besoffene vor sich hin. Ganz selten dreht sich jemand um und zeigt den Passagieren die Zunge, den Stinkefinger oder schlimmeres.
Manchmal begegnet man dem tiefergelegten Nachfolger, der in die Gegenrichtung rattert. Erhaben schaut man vom hölzernen Hochsitz hinunter in die triste geruchlose Plastikwüste von ULF.

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