Beobachtet einmal, wenn sich 2 Fahrzeuge der WL begegnen, die Fahrer. Sie heben meist den in Fahrtrichtung linken Arm und grüssen sich. Je nach Begeisterung und Freude des jeweiligen Fahrers kann dieses Armheben ruckartig schnell aber auch erbärmlich langsam erfolgen. Es kann die Decke berühren oder kaum sichtbar abheben.
Gegen Dienstende mag es auch zu einem völligen Ausfall des Winkearms kommen. Kein Wunder, begegnen sich die Fahrer im Lauf einer Schicht durchschnittlich geschätzte 87 mal.
Um dies auszugleichen, bedient der andere Arm heftig die Strassenbahn oder den Bus, die Kasse, die Türknöpfe, den Ganghebel und was noch so anfällt.
Nicht erforscht ist bisher, wieviele Frühpensionierungen durch Abnutzung des Grussarm-Gelenks erfolgen.
Sonntag, 30. November 2008
Advent mit den Linien
Einkaufssamstag auf der Mariahilferstrasse. Menschenmassen wuseln hin und her und dazu quer: Der Busverkehr. Ich wollte in der Neubaugasse mit der legendären 13a bis zum Naschmarkt durchdringen. Die Haltestelle ist direkt nach einer Kreuzung. Der Bus hält und zur gleichen Zeit kriegt genau die Automeute grün, die verhindern will, dass wir den Bus noch erreichen. Unter Lebensgefahr und vor angasenden und übel schimpfenden Autofahrern sprinten wir zum Bus und erreichen ihn tatsächlich. Wohlige Wärme und eine freie Sitzbank belohnen uns. Doch bereits nach einer Haltestelle ist die fröhliche Fahrt beendet, weil laut einer völlig unverständlichen Krächz-Durchsage an diesen Einkaufstagen die Mariahilferstrasse die Linie 13a in 2 Teile spaltet und hier gefälligst alle aussteigen sollen, um nach Überquerung der Einkaufsstrasse in die dort wartenden Busse wieder einzusteigen.
Das haben nun leider die wenigsten Fahrgäste kapiert, wollen es auch zum Teil einfach nicht wahrhaben oder bekommen unter den Ohrstöpseln ihrer Ipods überhaupt nichts mit.
Wir gehören zu den aufmerksamen und alles gewöhnten Fahrgästen und steigen zügig aus. Der Busfahrer steht schon lässig vor seinem Sitz und schaut fatalistisch in den hinteren Teil des Busses, wo zäh eine Fahrgast-Restmasse festklebt. Ein 2. Fahrer oder Viehtreiber brüllt von draussen immer wieder: "Allä ausstäigen" in den Bus hinein. Der Fahrer wachelt dazu mit der Hand, was im Linienjargon heisst: Schleichts Euch. Leicht entnervt, wie 2 Schäfer, die ihren störrischen Schafen zuschauen, schauen die beiden sich an. Zu recht, haben sie es doch mit den schlimmsten Fahrgästen der Welt zu tun.
Das haben nun leider die wenigsten Fahrgäste kapiert, wollen es auch zum Teil einfach nicht wahrhaben oder bekommen unter den Ohrstöpseln ihrer Ipods überhaupt nichts mit.
Wir gehören zu den aufmerksamen und alles gewöhnten Fahrgästen und steigen zügig aus. Der Busfahrer steht schon lässig vor seinem Sitz und schaut fatalistisch in den hinteren Teil des Busses, wo zäh eine Fahrgast-Restmasse festklebt. Ein 2. Fahrer oder Viehtreiber brüllt von draussen immer wieder: "Allä ausstäigen" in den Bus hinein. Der Fahrer wachelt dazu mit der Hand, was im Linienjargon heisst: Schleichts Euch. Leicht entnervt, wie 2 Schäfer, die ihren störrischen Schafen zuschauen, schauen die beiden sich an. Zu recht, haben sie es doch mit den schlimmsten Fahrgästen der Welt zu tun.
Mittwoch, 26. November 2008
Kein Anschluss unter dieser Linie
Hofwiesengasse! Das ist eine Doppelhaltestelle, an der sich zwei Linien begegnen, zwecks Umsteigemöglichkeit für den Fahrgast. Möchte man meinen.Doch da hat der Fahrgast die Rechnung ohne den Wirt gemacht und das ist der Bimpilot.Der sitzt an der Spitze der Garnitur, entweder hinter einem schweren Ledertrenner auf einer Art Zahnarztsessel (alt) oder in einem hermetisch abgeriegelten modernen Cockpit (ULF). Eventuell gibt es ja geheime Wiener-Richt-Linien, nach denen ein direktes Umsteigen zu verhindern ist. Es könnte eine Panik ausbrechen, wenn die Fahrgäste vor sich die Bahn sehen, in die sie wechseln wollen und dies alle gleichzeitig, Rentner zuerst, Kinder am Boden und Schwangere mittendrin. Um das zu verhindern, wird bewusst auf diesen direkten Anschluss verzichtet, ein edles Motiv sozusagen. Die sollen gemütlich warten, bis der nächste Wagen reinbimmelt. Dauert ja nur 7 Minuten, wenn man nicht gerade das Pech hat, dass ein Intervall sich aus unerfindlichen Gründen unglaublich ausdehnt (siehe: "blabla-krächz").
Die Piloten verfügen über ausgeklügelte Methoden, dem Anschluss zu entgehen (Das hätte das Land 1938 gut brauchen können):
Er fährt hinter dem Zug her, den wir erreichen wollen. Der hält gerade, die ersten steigen aus. Während wir mit hervortretenden Augen panisch versuchen, den vorderen Zug telekinetisch einzubremsen, wird unsere Bim immer langsamer. Mittlerweile steigen die Letzten aus. Als würden sich 2 Magnete mit gleicher Polung abstossen, entfernen wir uns relativ immer weiter vom ersehnten Anschluss und das solange bis wir mit herabfallendem Unterkiefer fassungslos den vorderen Zug wieder abfahren sehen.
Oder: Die Verfolgerbim schliesst ausnahmsweise flott auf und Hoffnung keimt auf. Vorne tröpfeln ein paar Leutchen raus, das geht leider verdammt flott. Wir halten, Tür auf und raus gegen den Strom der paar Leutchen mit ausgestrecktem Zeigefinger auf den Knopf los, der noch grün leuchtet, aber den Bruchteil einer Sekunde vor der Berührung erlischt. Rumms ist sie weg.
Ich gehe davon aus, dass die Fahrer im Rückspiegel hervorragende Sicht nach hinten haben auf die gierige Anschlussmeute. Dass sie dennoch losfahren, muss also einen Grund haben, der von einem sportlichen Wettkampfgeist (hä, ich war schneller) bis zu einem bedenklichen abgrundtief boshaften Wesen reichen kann.
Gegen diese Wesen und Geister haben kämpferisch gesinnte Linien-Nutzer Methoden entwickelt. So kann der Aussteigende solange die Tür blockieren, bis der heranschleichende Anschlussvermeider endlich seine Leute rauslässt. Mit verschwörerischem Blick wird gedankt, während der Bimpilot einen Giftstrahl absetzt.
So fördert der öffentliche Nahverkehr die Entwicklung konspirativer Solidarität.
Aber Achtung vor Schlägertrupps der Wiener Linien, die solche Dissidenten plattmachen.
Donnerstag, 20. November 2008
Heiss-Kalt
Heiss sind die Sitzflächen in manchen alten Wagen. Darunter befindet sich eine Art kleines Blechfass, das vermutlich ein Heizgebläse enthält. Erwischt man zufällig diesen Sitz, kann es zu Spiegeleiern oder entsprechenden Zuständen im Genitalbereich kommen, denn die Sitzfläche entwickelt die Hitze eines Kochfeldes. Bei dicker Winterbekleidung kann es jedoch einige Minuten dauern, bis die Hitze den Stoff durchdringt und die Hitzesensoren der Haut erreicht.
Ist es sehr kalt draussen, tut dieser Stuhl richtig gut, wenn man nicht zulange unterwegs ist.
Trägt man einen Einkauf mit sich, der Butter, Schokolade oder Gefriergut enthält, sollte man die Tasche nicht neben sich auf den Sitz stellen.
Bei durchgefrorenen Füssen sollte man den Platz hinter der Heizung wählen, weil man dann die Füsse unter den Heizkörper platzieren und dort bequem auftauen kann.
Heiss wird es auch in den neuen ULFs, wenn sie nicht neu genug für die Ausstattung mit einer Klimaanlage sind. Denn es gibt keine Fenster, die man öffnen könnte. Sieht man also an einem heissen Sommertag eine Bim, aus der rotköpfige, mit heraushängender Zunge hechelnde Fahrgäste glasig herausstarren, handelt es sich um ULFs ohne Kühlung. Bisher ist es anscheinend noch nicht zu hitzebedingten Selbstentzündungen ganzer Garnituren gekommen, vielleicht, weil das neue Plastik schlecht Feuer fängt.
Kalt kann es in klimatisiertenULFs werden, eiskalt sogar. Wenn man schon mal im Sommer in den USA war, kennt man das Phänomen. Man steigt aus dem Backofen direkt in die Gefrierzelle um und fühlt sich nach wenigen Minuten total erfrischt und todkrank. Ein lautstarkes, hocheffizientes Gebläsesystem pfeift einem um die Ohren und man freut sich, bald wieder in die Hitze der Aussenwelt entlassen zu werden. Denn dafür ist man ja auch gekleidet.
Kalt sind auch manche der alten Anhänger, die scheinbar keine Heizungen enthalten. Da sitzen dann im Winter ein paar erbärmlich frierende Figuren mit den Händen in den Taschen und hoffen, dass nicht ihr Handy klingelt. Die wenige Wärme, die die Körper dieser Fahrgäste absondern, lässt die Scheiben beschlagen, entweicht aber brutal an den Haltestellen, wenn jemand aus- oder einsteigt. Wenigstens gibt es keinen Fahrtwind, ausser ein Fenster steht offen und die maroden Erfrorenen sind nicht mehr in der Lage, es zu schliessen.
Wenn möglich, sollte man dicht zusammenrücken und sich gegenseitig wärmen, auch wenn einige nicht so gut riechen. Lieber Mief als tot. Oder in den beheizten Wagen umsteigen!
Ist es sehr kalt draussen, tut dieser Stuhl richtig gut, wenn man nicht zulange unterwegs ist.
Trägt man einen Einkauf mit sich, der Butter, Schokolade oder Gefriergut enthält, sollte man die Tasche nicht neben sich auf den Sitz stellen.
Bei durchgefrorenen Füssen sollte man den Platz hinter der Heizung wählen, weil man dann die Füsse unter den Heizkörper platzieren und dort bequem auftauen kann.
Heiss wird es auch in den neuen ULFs, wenn sie nicht neu genug für die Ausstattung mit einer Klimaanlage sind. Denn es gibt keine Fenster, die man öffnen könnte. Sieht man also an einem heissen Sommertag eine Bim, aus der rotköpfige, mit heraushängender Zunge hechelnde Fahrgäste glasig herausstarren, handelt es sich um ULFs ohne Kühlung. Bisher ist es anscheinend noch nicht zu hitzebedingten Selbstentzündungen ganzer Garnituren gekommen, vielleicht, weil das neue Plastik schlecht Feuer fängt.
Kalt kann es in klimatisiertenULFs werden, eiskalt sogar. Wenn man schon mal im Sommer in den USA war, kennt man das Phänomen. Man steigt aus dem Backofen direkt in die Gefrierzelle um und fühlt sich nach wenigen Minuten total erfrischt und todkrank. Ein lautstarkes, hocheffizientes Gebläsesystem pfeift einem um die Ohren und man freut sich, bald wieder in die Hitze der Aussenwelt entlassen zu werden. Denn dafür ist man ja auch gekleidet.
Kalt sind auch manche der alten Anhänger, die scheinbar keine Heizungen enthalten. Da sitzen dann im Winter ein paar erbärmlich frierende Figuren mit den Händen in den Taschen und hoffen, dass nicht ihr Handy klingelt. Die wenige Wärme, die die Körper dieser Fahrgäste absondern, lässt die Scheiben beschlagen, entweicht aber brutal an den Haltestellen, wenn jemand aus- oder einsteigt. Wenigstens gibt es keinen Fahrtwind, ausser ein Fenster steht offen und die maroden Erfrorenen sind nicht mehr in der Lage, es zu schliessen.
Wenn möglich, sollte man dicht zusammenrücken und sich gegenseitig wärmen, auch wenn einige nicht so gut riechen. Lieber Mief als tot. Oder in den beheizten Wagen umsteigen!
Mittwoch, 19. November 2008
Der Duft der Bims
Ich liebe den Duft der alten Wagen, die mit den gerippten Holzböden und den lackierten weissen Decken. Und immer wieder Holz: Um die Fenster, um die kleinen runden Wandleuchten. Nur die Sitze dürften irgendwann erneuert worden sein, und die Türen mit den Haltknöpfen.
Es riecht nach gut geöltem oder geteertem Holz und man fühlt sich in der Zeit zurückversetzt, denkt an das Design der ersten Maschinen in Jules -Verne-Verfilmungen und lauscht den Rollgeräuschen der eisernen Räder auf den Schienen und nach dem schweren Ächzen, wenn diese edle Rappelkiste von einem(r) flotten Fahrer(in) durch eine Kurve gejagt wird. Auch das Anfahren ist ein Erlebnis, fehlt ihm doch noch jegliche Fuzzy-Logic. Es wirkt, als würde der erste Schub durch einen schweren Hammer erfolgen. Das Bremsen klingt nach dem Geschrei von Opfern der Apokalypse und wird begleitet von einem üblen Krachen tief aus dem Fahrgestell, als seien mehrere Metallteile geborsten.
Beim Anlehnen gegen das Fenster erkunde ich zuerst die Sedimentschichten, die sich auf dem alten Holz abgelagert haben. Sollten darunter auch prähistorische Kaugummis sein, lässt sich dies kaum noch erkennen, weil alles eine dunkelbraunschwarze Farbe annimmt, als würde die Oberfläche regelmässig geteert. Im Anhänger befinden sich vorne 2 Einzelsitze und man kann vor sich die Leute im hinteren Teil des Triebwagens beobachten. Da rutschen manchmal Knirpse rum, knutschen Pubertierende oder dümpeln Besoffene vor sich hin. Ganz selten dreht sich jemand um und zeigt den Passagieren die Zunge, den Stinkefinger oder schlimmeres.
Es riecht nach gut geöltem oder geteertem Holz und man fühlt sich in der Zeit zurückversetzt, denkt an das Design der ersten Maschinen in Jules -Verne-Verfilmungen und lauscht den Rollgeräuschen der eisernen Räder auf den Schienen und nach dem schweren Ächzen, wenn diese edle Rappelkiste von einem(r) flotten Fahrer(in) durch eine Kurve gejagt wird. Auch das Anfahren ist ein Erlebnis, fehlt ihm doch noch jegliche Fuzzy-Logic. Es wirkt, als würde der erste Schub durch einen schweren Hammer erfolgen. Das Bremsen klingt nach dem Geschrei von Opfern der Apokalypse und wird begleitet von einem üblen Krachen tief aus dem Fahrgestell, als seien mehrere Metallteile geborsten.
Beim Anlehnen gegen das Fenster erkunde ich zuerst die Sedimentschichten, die sich auf dem alten Holz abgelagert haben. Sollten darunter auch prähistorische Kaugummis sein, lässt sich dies kaum noch erkennen, weil alles eine dunkelbraunschwarze Farbe annimmt, als würde die Oberfläche regelmässig geteert. Im Anhänger befinden sich vorne 2 Einzelsitze und man kann vor sich die Leute im hinteren Teil des Triebwagens beobachten. Da rutschen manchmal Knirpse rum, knutschen Pubertierende oder dümpeln Besoffene vor sich hin. Ganz selten dreht sich jemand um und zeigt den Passagieren die Zunge, den Stinkefinger oder schlimmeres.
Manchmal begegnet man dem tiefergelegten Nachfolger, der in die Gegenrichtung rattert. Erhaben schaut man vom hölzernen Hochsitz hinunter in die triste geruchlose Plastikwüste von ULF.
Samstag, 15. November 2008
Blablabla-krächz oder: Die Info
Über den Haltestellen hängen Lautsprecher, um Durchsagen zu ermöglichen. Wenn lange Zeit keine Strassenbahn kommt, schauen Einige erwartungsvoll auf diese grauen Tüten, während die meisten in Apathie verfallen, die Köpfe hängen, die Seele baumeln und die Taschen fallen lassen. Nach einer Ewigkeit krächzt es aus den Tüten. Zwischen dem Lärm der Autos und dem Geratter der Bahn in die Gegenrichtung dröhnen seltsame Wortfetzen, die nur schwer zu einer wirklichen Information zu bündeln sind. Man hört etwa: ..bsstörung..mmt.........der Linie 62 zu......eiten.........nn um .............dnis.......
Nunmehr vollinformiert (vorausgesetzt man hat überhaupt soviel verstanden) setzen sich viele in Bewegung um eine der zahlreichen Alternativen öffentlichen Verkehrs zu nutzen, wie den Bus, der vielleicht irgendwie auch dahin fährt oder U-Bahn und Schnellbahn, deren Bahnhöfe für Wandervögel in Stundenbruchteilen zu erreichen sind. Ist man einige hundert Meter gegangen, braust dann die verspätete Bahn an einem vorbei, während die Stimme im Lautsprecher von der Haltestelle her nochmal hinter einem herzukichern scheint.
Ein ambitionierter Versuch der Information ist eine an etlichen Haltestellen verfügbare elektronische Anzeige, die die voraussichtlichen Ankunftszeiten der nächsten beiden Züge zeigt. Das ist an sich grossartig und zeitgemäss und funktioniert irgendwie mit GPS oder so.
Leider schleicht sich manchmal ein Fehler ein und meldet den nächsten Zug erst in einer halben Stunde. Ist dann aber gar nicht so, denn nach ein paar Minuten bimmelt schon fröhlich der nächste Zug heran. Wenn man das weiss und grundsätzlich jeder Information durch die Wiener Linien (gesund) misstraut, ist das nicht weiter schlimm. In diesem Fall ist es ausnahmsweise mal besser zu warten, wie die meisten. Ansonsten empfehle ich, den Fussweg zu nehmen. Da bin ich meist schneller, wenn es sich um 3 oder 4 Haltestellen handelt und bewundere unterwegs die tapfere Standfestigkeit von Fahrgästen aller Altersklassen, die zusammengesunken im Wiener-Linien-Koma an den Haltestellen ausharren. Immer wieder wandert deren Blick etwas verzweifelt zur elektronischen Anzeige, wenn ihnen denn eine leuchtet. Oder es krächzt von oben eine unverständliche Stimme und alle starren sich mit offenen Mündern an.
Nunmehr vollinformiert (vorausgesetzt man hat überhaupt soviel verstanden) setzen sich viele in Bewegung um eine der zahlreichen Alternativen öffentlichen Verkehrs zu nutzen, wie den Bus, der vielleicht irgendwie auch dahin fährt oder U-Bahn und Schnellbahn, deren Bahnhöfe für Wandervögel in Stundenbruchteilen zu erreichen sind. Ist man einige hundert Meter gegangen, braust dann die verspätete Bahn an einem vorbei, während die Stimme im Lautsprecher von der Haltestelle her nochmal hinter einem herzukichern scheint.
Ein ambitionierter Versuch der Information ist eine an etlichen Haltestellen verfügbare elektronische Anzeige, die die voraussichtlichen Ankunftszeiten der nächsten beiden Züge zeigt. Das ist an sich grossartig und zeitgemäss und funktioniert irgendwie mit GPS oder so.
Leider schleicht sich manchmal ein Fehler ein und meldet den nächsten Zug erst in einer halben Stunde. Ist dann aber gar nicht so, denn nach ein paar Minuten bimmelt schon fröhlich der nächste Zug heran. Wenn man das weiss und grundsätzlich jeder Information durch die Wiener Linien (gesund) misstraut, ist das nicht weiter schlimm. In diesem Fall ist es ausnahmsweise mal besser zu warten, wie die meisten. Ansonsten empfehle ich, den Fussweg zu nehmen. Da bin ich meist schneller, wenn es sich um 3 oder 4 Haltestellen handelt und bewundere unterwegs die tapfere Standfestigkeit von Fahrgästen aller Altersklassen, die zusammengesunken im Wiener-Linien-Koma an den Haltestellen ausharren. Immer wieder wandert deren Blick etwas verzweifelt zur elektronischen Anzeige, wenn ihnen denn eine leuchtet. Oder es krächzt von oben eine unverständliche Stimme und alle starren sich mit offenen Mündern an.
Sonntag, 9. November 2008
Dichtung und Wahrheit
Da gibt es diesen Slogan auf hunderten Plakatwänden in Wien, der mir den letzten Anstoss zu diesem Not-Blog versetzt hat:
WIENER LINIEN - DIE STADT GEHÖRT DIR
Dazu eine gestellte Szene, in der einem Nutzer der Wiener Linien Gutes wiederfährt, indem er sich für diese Art des Transportes entscheidet. Da kommt einer rechtzeitig und ausgeruht zur Party, ein junges Pärchen ist sportlich am Stadtrand unterwegs und wird vom Bus abgeholt, da werden putzige Omas an der Haltestelle beglückt. An sich eine nette Kampagne, wäre mein Blick nicht gerade in dem Moment darauf gefallen, als mir wieder einmal der 62er vor der Nase davon fuhr, weil der mit geradezu erstaunlicher Präzision dem nachfolgenden 60er davon fährt, ohne auf Umsteigewillige zu warten. Und just indem der stumpfsinnig bösartige Fahrer mein Blickfeld verliess, fiel mir das Plakat in die Augen. Ich sah sofort eine eigene Kampagne vor mir, in der etliche von mir beobachtete Widerlichkeiten die Plakatwand zierten mit im anfahrenden Bus herumkugelnden Rentnern, einer Portraitserie der bösartigsten Gesichtsausdrücke der Chauffeure und Chauffeusen (eine ganze Menge), in zuschnappenden Türen gefangenenen Kindern und Kinderwagen, Müttern, die von ihrem Nachwuchs getrennt werden, Skeletten, die einem Intervall von mehreren Jahren zum Opfer fielen, durch falsche elektronische Anzeigen Getäuschten oder grausam vollgepferchten Schülertransporten mit gequetschten Leibern und
durch Kurven geschleuderten Crashtest-Dummies. Ich bedauerte sehr, dass mir die Mittel fehlten, diese Idee umzusetzen, weil für mich bereits der Erwerb der Jahreskarte nach und für Wien eine beachtliche Ausgabe darstellt.
Ich hätte mir in dem Moment einfach auch gewünscht, die Mittel, die diese Kampagne gekostet hat, wäre in eine Mitarbeiterschulung für die Chauffeure der WL geflossen, in der serviceorientierte Freundlichkeit ebenso trainiert werden wie Methoden zum Abbau körperlicher Spannungen, oder: "wie krieg ich meinen Hass auf diese Kretins von Fahrgästen weg" .
Vielleicht verdienen die ja auch viel zu wenig und sind deshalb angefressen. Oder ihre Arbeitsbedingungen sind unmenschlich. Möglicherweise werden sie vor Antritt ihres Dienstes von einem vorgesetzten Rüpel im Wiener-Linien-Dialekt gedemütigt und mit Videos von unterwürfigen Passagieren gereizt.
WIENER LINIEN - DIE STADT GEHÖRT DIR
Dazu eine gestellte Szene, in der einem Nutzer der Wiener Linien Gutes wiederfährt, indem er sich für diese Art des Transportes entscheidet. Da kommt einer rechtzeitig und ausgeruht zur Party, ein junges Pärchen ist sportlich am Stadtrand unterwegs und wird vom Bus abgeholt, da werden putzige Omas an der Haltestelle beglückt. An sich eine nette Kampagne, wäre mein Blick nicht gerade in dem Moment darauf gefallen, als mir wieder einmal der 62er vor der Nase davon fuhr, weil der mit geradezu erstaunlicher Präzision dem nachfolgenden 60er davon fährt, ohne auf Umsteigewillige zu warten. Und just indem der stumpfsinnig bösartige Fahrer mein Blickfeld verliess, fiel mir das Plakat in die Augen. Ich sah sofort eine eigene Kampagne vor mir, in der etliche von mir beobachtete Widerlichkeiten die Plakatwand zierten mit im anfahrenden Bus herumkugelnden Rentnern, einer Portraitserie der bösartigsten Gesichtsausdrücke der Chauffeure und Chauffeusen (eine ganze Menge), in zuschnappenden Türen gefangenenen Kindern und Kinderwagen, Müttern, die von ihrem Nachwuchs getrennt werden, Skeletten, die einem Intervall von mehreren Jahren zum Opfer fielen, durch falsche elektronische Anzeigen Getäuschten oder grausam vollgepferchten Schülertransporten mit gequetschten Leibern und
durch Kurven geschleuderten Crashtest-Dummies. Ich bedauerte sehr, dass mir die Mittel fehlten, diese Idee umzusetzen, weil für mich bereits der Erwerb der Jahreskarte nach und für Wien eine beachtliche Ausgabe darstellt.
Ich hätte mir in dem Moment einfach auch gewünscht, die Mittel, die diese Kampagne gekostet hat, wäre in eine Mitarbeiterschulung für die Chauffeure der WL geflossen, in der serviceorientierte Freundlichkeit ebenso trainiert werden wie Methoden zum Abbau körperlicher Spannungen, oder: "wie krieg ich meinen Hass auf diese Kretins von Fahrgästen weg" .
Vielleicht verdienen die ja auch viel zu wenig und sind deshalb angefressen. Oder ihre Arbeitsbedingungen sind unmenschlich. Möglicherweise werden sie vor Antritt ihres Dienstes von einem vorgesetzten Rüpel im Wiener-Linien-Dialekt gedemütigt und mit Videos von unterwürfigen Passagieren gereizt.
Wiener Linien - Sie töten aus Leidenschaft
Als täglicher Pendler von Zurndorf/Burgenland nach Wien bin ich auf die Dienstleistungen der Österreichischen Bundesbahnen ebenso angewiesen wie auf diejenigen der Wiener Linien.
Der Blog soll mir helfen, diese Abhängigkeit nicht als völlig wehrloses Opfer zu erleben.
Fast täglich wiederfahren mir in Bus, Schnellbahn und Strassenbahn (Bim) Dinge, mit denen ich allein einfach nicht fertig werde. Und so wird es wohl vielen Leidensgenoss(inn)en im Gemetzel des öffentlichen Verkehrs gehen. Mögen auch sie sich ihrer Möglichkeiten besinnen und sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen ihr unverschuldetes Schicksal zur Wehr setzen. Lasst euch nicht stumm überfahren, einklemmen und mitschleifen, sondern schreit den Namen des Fahrers der jeweiligen Killerbim in die grosse weite Welt, auf dass einst ein Jüngstes Gericht uns die Würde zurückerstattet, die uns der Missbrauch durch die Wiener Linien genommen hat.
Der Blog soll mir helfen, diese Abhängigkeit nicht als völlig wehrloses Opfer zu erleben.
Fast täglich wiederfahren mir in Bus, Schnellbahn und Strassenbahn (Bim) Dinge, mit denen ich allein einfach nicht fertig werde. Und so wird es wohl vielen Leidensgenoss(inn)en im Gemetzel des öffentlichen Verkehrs gehen. Mögen auch sie sich ihrer Möglichkeiten besinnen und sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen ihr unverschuldetes Schicksal zur Wehr setzen. Lasst euch nicht stumm überfahren, einklemmen und mitschleifen, sondern schreit den Namen des Fahrers der jeweiligen Killerbim in die grosse weite Welt, auf dass einst ein Jüngstes Gericht uns die Würde zurückerstattet, die uns der Missbrauch durch die Wiener Linien genommen hat.
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