Der Busfahrer
Oft im Sakko, erinnern sie eher an Lehrer oder Kleingewerbetreibende. (Vielleicht waren sie es vorher)
Ihr Arbeitsplatz bietet viel mehr Öffnung zum Kunden als der einer Bim. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb geben sie sich wortkarg. Das Schild -Bitte während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen- wird von einsamen, kommunikativ ausgetrockneten Stadtgeschöpfen gerne übersehen und konfrontiert den Mann im Sakko mit belanglosen Small-Talks über das Wetter, über Sakkos, die Krise, die Klimaerwärmung oder die Treibstoffpreise. Manch eine(r) möchte technische Angaben über das Nutzfahrzeug oder Gesundheitstipps und natürlich Informationen zum Fahrplan, zur Fahrtroute.
Die Antworten auf all diese Begehren sind meist gestisch. Ein Schulterzucken, ein Heben der gepflegten Augenbrauen hinter der Ray Ban Sonnenbrille, nie ein Augenkontakt (Ist vielleicht auch besser so).
Gelegentlich kommt es zu vorsprachlichem Räuspern, gemurmelten sinnlosen Lautfolgen, leisen Flüchen, die nicht immer inhaltlich auf das Gefragte eingehen.
Nur bei den akademisch gebildeten Fahrern kann man Worte oder zusammenhängende Sätze erwarten, ein seltenes Vergnügen.
Der Busfahrer ist der König beim fahrenden Personal. Er geniesst die grösste Freiheit, steuert er doch ein meist modernes Fahrzeug, das nicht in geschiente Bahnen gezwungen wird, sondern kleine Ausritte, Abkürzungen. grosszügige Kurvenauslegungen und engere Körperkontakte zu anderen Fahrzeugen ermöglicht. Er könnte auch mal einen Abstecher nach Hause machen, oder sich bei einem Drive-In etwas zu essen besorgen.
Souverän entsteigt der Buspilot an den Wendepunkten seiner Strecke seinem Benz Citaro, zupft sein Sakko zurecht und raucht sich elegant eine an, manchmal ein nagelneues Handy ans Ohr gelehnt.

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