Sonntag, 8. März 2009

Die Elektronik


Das sieht ein wenig aus wie die Strassenbahnen auf einem Kinderkarussell und die Farbe der elektronischen Schrift erinnert an die Bildschirme der ersten Computer. Richtig schick, aber Wehmut beschleicht mich, weil die bisherigen Anzeigen nun wohl für immer verschwinden. Es hat sicher einen linien-internen Terminus technikus für diese klappernden Ungeheuer gegeben, etwa: Rollanzeige, Klorolle, Rappeldisplay oder einfach nur kettengetriebene linienbezogene Haltestellen-Dispo mit Handbremse. Manchmal konnte ich beobachten, wie mitten auf der Strecke die Anzeige zu laufen begann um den gesamten Strassenplan von Wien herunterzurasseln bis sie schliesslich bei irgendeiner Station stoppte, die wenig mit der eben tatsächlich erreichten Haltestelle zu tun hatte. Manch getrübtes Fahrgastauge blieb wie hypnotisiert auf diese rasenden Texte gerichtet und liess sein Herrchen oder Frauchen die gewünschte Ziel-Haltestelle verpassen.
Ich fragte mich auch immer, ob auf dieser Doppelrolle alle Strassenbahnlinien der Stadt passten und was geschähe, wenn sich ein Statiosname änderte. Wurde dann ein Teil rausgeschnitten und ein neues eingenäht von geübten Wiener-Linien-Näherinnen. Die Rollen forderten meine ganze Vorstellungskraft. Wie zum Beispiel konnte ein Stationsname sowohl auf der äusseren als auch auf der inneren Anzeige zu lesen sein? Die Lösung: Alles war doppelt vorhanden und ein Text musste dabei auf dem Kopf stehen. Mehr dazu? Sicher nicht.
Hin und wieder vergaßen die Fahrer wohl auch, am Wendepunkt den Richtungswechsel auf die Anzeige zu bringen. Möglicherweise handelte es sich dabei um eine äusserst komplizierte Abfolge von Hand- und Fussgriffen und ev. Feinjustierungen, die nicht nur die Pause des Fahrers verkürzt hätten, sondern ihn auch nicht zumutbarem Stress und Unfallgefahren ausgesetzt hätten.
Hoffen wir, dass die neue hochmoderne Bordelektronik Abhilfe schafft und dem Fahrgast zu verbindlichen Informationen über das Fahrtziel verhilft.

Keine Kommentare: