Freitag, 27. März 2009

Die Fahrer 1

Der Busfahrer

Oft im Sakko, erinnern sie eher an Lehrer oder Kleingewerbetreibende. (Vielleicht waren sie es vorher)
Ihr Arbeitsplatz bietet viel mehr Öffnung zum Kunden als der einer Bim. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb geben sie sich wortkarg. Das Schild -Bitte während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen- wird von einsamen, kommunikativ ausgetrockneten Stadtgeschöpfen gerne übersehen und konfrontiert den Mann im Sakko mit belanglosen Small-Talks über das Wetter, über Sakkos, die Krise, die Klimaerwärmung oder die Treibstoffpreise. Manch eine(r) möchte technische Angaben über das Nutzfahrzeug oder Gesundheitstipps und natürlich Informationen zum Fahrplan, zur Fahrtroute.
Die Antworten auf all diese Begehren sind meist gestisch. Ein Schulterzucken, ein Heben der gepflegten Augenbrauen hinter der Ray Ban Sonnenbrille, nie ein Augenkontakt (Ist vielleicht auch besser so).
Gelegentlich kommt es zu vorsprachlichem Räuspern, gemurmelten sinnlosen Lautfolgen, leisen Flüchen, die nicht immer inhaltlich auf das Gefragte eingehen.
Nur bei den akademisch gebildeten Fahrern kann man Worte oder zusammenhängende Sätze erwarten, ein seltenes Vergnügen.
Der Busfahrer ist der König beim fahrenden Personal. Er geniesst die grösste Freiheit, steuert er doch ein meist modernes Fahrzeug, das nicht in geschiente Bahnen gezwungen wird, sondern kleine Ausritte, Abkürzungen. grosszügige Kurvenauslegungen und engere Körperkontakte zu anderen Fahrzeugen ermöglicht. Er könnte auch mal einen Abstecher nach Hause machen, oder sich bei einem Drive-In etwas zu essen besorgen. 
Souverän entsteigt der Buspilot an den Wendepunkten seiner Strecke seinem Benz Citaro, zupft sein Sakko zurecht und raucht sich elegant eine an, manchmal ein nagelneues  Handy ans Ohr gelehnt.

Montag, 16. März 2009

Gejagte

Die Fahrer der Wiener Linien haben durchaus Jägerqualitäten. Doch ihre Fahrgäste geben auch oft ein gut jagdbares Wild. 
Da gibt es die Ausgeknipsten, die mit der vollen Musikdröhnung vom Kopfhörer weder das hysterische Gebimmel der Bahn, noch das Gehupe des Busses mitbekommen. Sie tapern wie Zombies direkt vor die Räder und schauen blöde, wenn die Bim kreischend vollbremst und 2 cm vor ihrer Nase zum Stehen kommt.
Da gibt es die Vollgetankten, die schwerst alkoholisiert den Individualverkehr vermeiden, dafür die Öffis in Mitleidenschaft ziehen. Wenn sie es schaffen, Bus oder Bahn zu besteigen, dünsten sie ganze Wagenteile ein, dass die Scheiben beschlagen und die Mitfahrer alleine vom Second-Hand-Alkohol duselig werden. Beim Aussteigen schaffen sie es dann jedoch spätestens schwereren Schaden anzurichten. Sie mähen Einstiegswillige um oder bleiben mit unkontrollierten Gliedern in den schnappenden Türen hängen, werden mitgeschliffen oder werfen sich vor die Räder.
Da gibt es Schüler, die vermutlich "e gleich m mal c-quadrat" aufsagen können, aber einfach nicht die komplexe Relativität der Bewegungen von Menschen und Fahrzeugen im städtischen Verkehr mitkriegen.
Trotz all dieser verlockenden potentiellen Opfer sollten die Fahrer der Wiener Linien doch ein bissel brav sein.

Donnerstag, 12. März 2009

Wieder kein Anschluss

Diesmal war ich voller Hoffnung: Vor mir, fast zum Greifen, der 62er, die Haltestelle fast erreicht. Da schiebt sich aus einer Seitenstrasse ein weiterer 62er zwischen uns. Der kommt frisch und motiviert aus dem Depot und soll meinen Anschluss verhindern.

Und das funktioniert folgendermassen: die beiden 62er  blockieren jetzt für einige Minuten die Haltestelle. Interessiert schaue ich dem tristen Treiben an der Haltestelle zu, bis sich beide Strassenbahnen auf und davon machen. Resigniert lasse ich mich auf die harte Bank der Linie 6o nach Hietzing plumpsen und verfalle in ein gewöhnliches Wiener-Linien-Koma.

Sonntag, 8. März 2009

Das Umsteigen

siehe auch: kein Anschluss unter dieser Linie!

Neulich war ich Zeuge eines missglückten Umsteigemanövers aus der nachfolgenden Bim heraus. Ich stand direkt hinter dem Fahrer und konnte so eine Unterhaltung mithören, die der etwas enttäuschte Fahrgast mit demselben führte.
Der etwas idealistisch wirkende Fahrgast meinte, es wäre doch möglich in einer Art kommunikativem Akt zwischen den Bims das Umsteigen zu ermöglichen. Das würde heissen: Vordere Bim wartet, bis hintere Bim stehen bleibt und die Umsteigewilligen eingestiegen sind.
Diesem Ansinnen musste der auffallend freundliche (weil er überhaupt versuchte zu erklären, ohne zu diskriminieren oder zu entwürdigen) Fahrer eine Absage erteilen.
Die Begründung liess mich nachdenklich werden:
Das Abwarten des Anschlusses gehe deshalb nicht, weil der Fahrer den Streckenplan einhalten muss. Er müsste dann ja dauernd warten, Grünphasen verpassen und damit letztlich ein Chaos auslösen.
Daran hatte ich noch nie gedacht. Wahrscheinlich gibt es ja massenweise Knotenpunkte dieser Art, wo man umsteigen kann und von denen ich gar nichts weiss. Und ist nicht exaktes Einhalten von Plänen wichtiger, als so ein paar verpatzte Umsteigemanöver?
Das erklär mal der wütenden Oma.

Die Elektronik


Das sieht ein wenig aus wie die Strassenbahnen auf einem Kinderkarussell und die Farbe der elektronischen Schrift erinnert an die Bildschirme der ersten Computer. Richtig schick, aber Wehmut beschleicht mich, weil die bisherigen Anzeigen nun wohl für immer verschwinden. Es hat sicher einen linien-internen Terminus technikus für diese klappernden Ungeheuer gegeben, etwa: Rollanzeige, Klorolle, Rappeldisplay oder einfach nur kettengetriebene linienbezogene Haltestellen-Dispo mit Handbremse. Manchmal konnte ich beobachten, wie mitten auf der Strecke die Anzeige zu laufen begann um den gesamten Strassenplan von Wien herunterzurasseln bis sie schliesslich bei irgendeiner Station stoppte, die wenig mit der eben tatsächlich erreichten Haltestelle zu tun hatte. Manch getrübtes Fahrgastauge blieb wie hypnotisiert auf diese rasenden Texte gerichtet und liess sein Herrchen oder Frauchen die gewünschte Ziel-Haltestelle verpassen.
Ich fragte mich auch immer, ob auf dieser Doppelrolle alle Strassenbahnlinien der Stadt passten und was geschähe, wenn sich ein Statiosname änderte. Wurde dann ein Teil rausgeschnitten und ein neues eingenäht von geübten Wiener-Linien-Näherinnen. Die Rollen forderten meine ganze Vorstellungskraft. Wie zum Beispiel konnte ein Stationsname sowohl auf der äusseren als auch auf der inneren Anzeige zu lesen sein? Die Lösung: Alles war doppelt vorhanden und ein Text musste dabei auf dem Kopf stehen. Mehr dazu? Sicher nicht.
Hin und wieder vergaßen die Fahrer wohl auch, am Wendepunkt den Richtungswechsel auf die Anzeige zu bringen. Möglicherweise handelte es sich dabei um eine äusserst komplizierte Abfolge von Hand- und Fussgriffen und ev. Feinjustierungen, die nicht nur die Pause des Fahrers verkürzt hätten, sondern ihn auch nicht zumutbarem Stress und Unfallgefahren ausgesetzt hätten.
Hoffen wir, dass die neue hochmoderne Bordelektronik Abhilfe schafft und dem Fahrgast zu verbindlichen Informationen über das Fahrtziel verhilft.