
Neulich in der U4-Station Hietzing. Eine Durchsage beginnt mit: "Die Wiener Linien wollen, dass sie sich noch wohler bei uns fühlen, ..."
Es folgt eine Information über die derzeitigen Einsätze von Sicherheitspersonal, das im gesamten Stadtgebiet unterwegs ist, um mal für Ordnung zu sorgen. Laut Gratis-U-Bahnzeitung wurden dabei schon Dutzende Kriminelle gefasst, unter ihnen lange gesuchte NS-Verbrecher, Mörder, Politiker, Spekulanten, Deutsche und natürlich Asylanten aller Hautfarben.
Auch die Polizei scheint endlich mal Präsenz zu zeigen. Als ich einige Tage vorher die Straße bei der Ampel zur U-Bahn-Station überqueren möchte, rieche ich plötzlich Leder. Ein Streifenpärchen, männlich/weiblich. Mit leicht vorgeschobenem Bauch und fuchtelnder Beamtenhand macht Ledermann mich unmissverständlich darauf aufmerksam, dass mein Fuß genau einen Fuß zu weit in die Straße hineinragt. Bedrohlich pustet er sich auf, stumm unterstützt von der Kollegin. Ich schätze den Verkehrs-Terminator auf mindestens 20 Jahre jünger als mich, und registriere Adrenalin-Ausschüttung in mein Nervensystem. Er blafft mich an, ich bedanke mich, dass er so gut achtgibt auf mich. Hin und her flitzt die Kugel. Ich frage, ob er auch ein bißchen auf die Autos achtgibt. Er meint, die seien ja wohl gefährdet durch Fußgänger wie mich. Ich: Weil ja auch soviele Autos von Fußgängern niedergemetzelt werden.
Diesmal warte ich exakt auf die Grünphase und entfliehe diesem entsetzlichen Ledergeruch. In dieser Kluft hat etwas überlebt. Ich fühle mich kriminalisiert vom kleinen Ledermann, der vielleicht auch seiner Kollegin vorführen wollte, wie man Autorität ausübt. Dem zeigen wir es mal.
Das geht mir so durch den Kopf, als die Durchsage mir zukünftiges Wohlerfühlen verspricht.
Mehr Leder liegt in der Luft.
Und das Leben wird härter für uns Kampf-Fussgänger und militante Nichtraucher.

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