Montag, 8. November 2010

Fliehkräfte im 62A

Der 62A rast bei nieselndem Novemberwetter von Meidling (Philadelphiabrücke) nach Liesing.
Und das bedeutet für den Fahrgast: Stirb langsam 62.
Der Fahrer, ein ausrangierter Audi Testpilot versucht, dem Hinterteil seines Gelenkbusses davonzufahren, die Fahrgäste danken es ihm, mit wackelnden Köpfen und verzweifeltem Herumfuchteln der Greifarme.
Ein wichtiger Tipp für diejenigen, die noch nicht bereit sind zu sterben: Wenn man seine Haltestelle erreicht unbedingt sitzen bleiben, bis beide Teile des Gelenkbusses zum wirklichen Stillstand gekommen sind. Das Hinterteil macht nach Stillstand des Vorderteils oft nochmal einen kleinen Hopser, der manchem Frühaufsteher zum Verhängnis wird.
Bei geschätzten 3 Meter 42 bis zur Ausgangstür muss man sich dann allerdings sehr beeilen, um die sich schnell schließenden Türen zu erreichen und der Lichtschranke mitzuteilen: Hey, ich will noch raus! Bitte mich nicht zu umarmen!
Einige Mitreisende gehören den Frühaufstehern an und bewegen sich im tanzenden Bus zu ihren Wunschausgängen. Wie bei einem Erdbeben bringt sie der schlingernde Untergrund dabei von ihrem Weg ab und lässt sie mit Stangen und anderen Fahrgästen kollidieren.
Was ist die Ursache dieser Frühaufstehertänze?
Es ist nur vordergründig der rasende Pilot, es ist die Fliehkraft, deren Wirken durch den Piloten und das zappelige Hinterteil der Gelenkbusse gehörig verstärkt wird.